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MariaDB

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MariaDB ist ein freies, relationales Open-Source-Datenbankmanagementsystem, das durch eine Abspaltung (Fork) aus MySQL entstanden ist. Das Projekt wurde von MySQLs früherem Hauptentwickler Michael Widenius initiiert, der auch die Storage-Engine Aria entwickelte, auf welcher MariaDB ursprünglich aufbaute (die Software-Schicht, welche die Basisfunktionalität der Datenbank enthält, d. h. das Erstellen, Lesen, Ändern, Löschen von Daten).

Name und Logo

Der Name MariaDB geht auf die jüngere Tochter des Gründers Michael Widenius zurück. MySQL ist nach seiner anderen Tochter My benannt.[11] Das Logo zeigt einen Seelöwe, den Monty Widenius nach einer Begegnung mit lebenden Seelöwen beim Schnorcheln mit seiner Tochter auf den Galápagosinseln wählte.[12]

Geschichte

Entstehung und MySQL-Kompatibilität (2009–2012)

MariaDB entstand 2009 durch Michael „Monty" Widenius und weitere ursprüngliche MySQL-Entwickler, nachdem Oracle Corporation die Übernahme von Sun Microsystems angekündigt hatte, die seit 2008 MySQL besaß. Aus Sorge, Oracle könnte die Open-Source-Entwicklung einschränken, spalteten Widenius und Mitentwickler den Quellcode ab, um ihn unter der GNU General Public License frei verfügbar zu halten.[13][14]

Die erste Version, MariaDB 5.1.38, wurde am 29. Oktober 2009 veröffentlicht. Zahlreiche MySQL-Ingenieure verließen Oracle und schlossen sich dem MariaDB-Projekt über Widenius' Unternehmen Monty Program Ab an.[15] Die frühen Versionen spiegelten die MySQL-Versionsnummern wider (5.1, 5.2, 5.3, 5.5), um Drop-in-Kompatibilität zu signalisieren; MariaDB veröffentlichte dabei die Versionen 5.2 und 5.3, die MySQL selbst übersprungen hatte.

Die Wikimedia Foundation stellte im April 2013 ihre Produktivsysteme auf MariaDB um.[16] Google und Mozilla gehörten ebenfalls zu den frühen prominenten Nutzern.[17] openSUSE 12.3 war 2013 die erste große Linux-Distribution, die MariaDB als Standard-Datenbank auslieferte.[18]

Eigenständige Entwicklung (2012–heute)

2012 kündigten die Entwickler an, MariaDB auf eine neue 10.y.x-Versionsnummerierung umzustellen – ein explizites Signal, dass das Projekt sich fortan unabhängig von MySQL weiterentwickeln würde.[19]

Die 10.x-Serie führte unter anderem synchrones Multi-Master-Clustering mit Galera Cluster und einen Oracle-Kompatibilitätsmodus ein. Mit Version 10.6 (2021) erschien die erste Version mit Langzeitunterstützung (LTS).[20]

Die 11.x-Serie begann 2022. Ihre bedeutendste Neuerung war die native Vektorsuchfunktion, die 2024 eingeführt und mit dem LTS-Release 11.8 im Mai 2025 allgemein verfügbar wurde.[21]

Die 12.x-Serie startete im August 2025 und führte neben dem etablierten LTS-Modell einen Rolling-Release-Track ein. Die Serie verzeichnet eine wachsende Zahl externer Beiträge; die Releases vom Mai 2026 verzeichneten eine Rekordzahl von Beiträgen außerhalb von MariaDB plc.[22]

Eigenschaften

MySQL-Kompatibilität

Die MariaDB- und MySQL-Server sind keine monolithischen Datenbankserver wie z. B. PostgreSQL. Diese Server kann man sich als Framework für „pluggable engines" vorstellen. Als Standard-Engine verwenden beide seit MariaDB 10.2 die identische InnoDB-Engine, auf die in der Regel auch Applikationen zurückgreifen. Der SQL-Dialekt entspricht dem „Standard-SQL", und zwischen MySQL und MariaDB gibt es keine essenziellen Unterschiede.

Aus Sicht von Applikationen kann MySQL oft problemlos durch MariaDB ersetzt werden, da es für hergebrachte Funktionen kaum Inkompatibilitäten gibt. Die Daten-Dateien der InnoDB sind kompatibel und damit austauschbar. Für neuere MySQL-Features kann es aber sein, dass MariaDB noch kein entsprechendes Äquivalent bietet (z. B. geografische Funktionen) oder bewusst eine inkompatible Implementierung wählte (z. B. GTID und JSON).[23] Die Liste der Inkompatibilitäten wird mit jeder Version länger.[24][25]

In der klassischen Speicherung der Passwörter und der klassischen Replikation sind MariaDB und MySQL vollständig kompatibel, so dass man Replikationen zwischen MariaDB und MySQL ohne Probleme einrichten kann. Beim Einsatz neuer Features der MariaDB und MySQL in diesen Bereichen entstehen hingegen Inkompatibilitäten auf Administrationsseite.

Die interne Verarbeitung des Query Optimizer und Planner unterscheiden sich wesentlich, weil Monty Widenius enttäuscht vom Code der MySQL 5.6 war. Aufgrund seines Urteils entschied man sich bei MariaDB, den Query Optimizer, Query Planner und die Replikation neu zu gestalten, um Leistungsgewinne zu erzielen.

Oracle-Kompatibilität

Ab MariaDB Server 10.3 wird die Kompatibilität zu Oracle-Datenbanken erhöht. Stored Procedures (Oracle PL/SQL) und Sequenzen können nun auch in der SQL-Syntax der Oracle-DB erstellt werden.[26]

Transaktionen und Nebenläufigkeit

MariaDB unterstützt vollständig ACID-konforme Transaktionen mit mehreren Isolationsstufen: Read Uncommitted, Read Committed, Repeatable Read und Serializable. Die Standard-Speicher-Engine InnoDB implementiert Multiversion Concurrency Control (MVCC), das gleichzeitige Lese- und Schreiboperationen ohne gegenseitige Blockierung ermöglicht.[27] Ab MariaDB 11.8 ist der Snapshot-Isolation-Modus standardmäßig strikt, sodass Transaktionen stets eine konsistente Datenbankansicht ab ihrem Startzeitpunkt sehen.[28]

Speicher-Engines

MariaDB unterstützt eine pluggable Speicher-Engine-Architektur, bei der für jede Tabelle eine eigene Engine gewählt werden kann – ein breiteres Angebot als das InnoDB-fokussierte Standard-Setup von MySQL.[29]

  • InnoDB – die Standard-Engine, die ACID-konforme Transaktionen, zeilenbasierte Sperren, Fremdschlüssel-Unterstützung und Crash-Recovery bietet.
  • Aria – eine absturzsichere Engine, die intern für temporäre Tabellen und Systemtabellen genutzt wird; die Crash-Recovery erfolgt über ein Write-Ahead-Transaktionslog.[30]
  • MyRocks – basiert auf RocksDB, einem Log-Structured-Merge-Tree-Engine von Meta, mit höherem Schreibdurchsatz und besserer Kompression für schreibintensive Workloads.[31]
  • Heap/Memory – eine In-Memory-Speicher-Engine für schnellen temporären Datenzugriff; die Daten gehen bei einem Server-Neustart verloren.[32]
  • Spider – eine Sharding-Engine, die Daten über mehrere MariaDB-Instanzen verteilt und diese als einzelne Tabelle abfragbar macht; unterstützt Partitionierung und XA-Transaktionen.[33]
  • CONNECT – ermöglicht die Abfrage externer Datenquellen wie CSV, ODBC, JDBC und MongoDB als reguläre SQL-Tabellen.[34]
  • DuckDB – eine pluggable Engine, die DuckDBs spaltenorientierte Analyse-Engine direkt in den MariaDB-Server bringt.[35][36]

Pluggable Architektur

Über Speicher-Engines hinaus verfügt MariaDB über eine Reihe weiterer pluggbarer Schnittstellen. Zu den Plugin-Kategorien gehören:

  • Authentifizierungsmethoden
  • Volltextsuche – einschließlich Mroonga für CJK-Sprachen
  • Audit – Protokollierung von Datenbankaktivitäten für Sicherheit und Compliance
  • Verschlüsselungsschlüsselverwaltung – einschließlich Integration mit HashiCorp Vault und AWS Key Management
  • Monitoring- und Statistik-Plugins
  • Passwortvalidierung
  • Handler Socket – eine Hochgeschwindigkeits-API zur Nutzung von InnoDB-Tabellen als Key-Value-Speicher
  • Kompressionsmethoden – bzip2, lz4, lzma, lzo und snappy
  • Pluggable Datentypen – darunter inet, json, uuid und mysql_json
  • Benutzerdefinierte Funktionen – ladbar in C, C++ oder Rust; sowohl einfache als auch Group-by-Funktionen werden unterstützt

Plugins können zur Laufzeit geladen oder ausgetauscht werden, ohne den Server neu zu kompilieren.[37]

SQL-Sprache

MariaDB unterstützt Standard-SQL einschließlich gespeicherter Prozeduren, Funktionen, Trigger, Views, Fensterfunktionen und des JSON-Datentyps mit umfangreichen Funktionen zur Dokumentspeicherung und -abfrage.

Systemversionierte Tabellen, konform zum SQL:2011-Standard, protokollieren automatisch die vollständige Änderungshistorie jeder Zeile. Historische Daten können mit der FOR SYSTEM_TIME AS OF-Klausel zum Zustand einer Tabelle zu einem beliebigen vergangenen Zeitpunkt abgefragt werden – ohne manuell gepflegte Audit-Tabellen oder Trigger.[38]

Der INSTANT-Algorithmus für ALTER TABLE ermöglicht das Hinzufügen, Entfernen und Ändern von Spaltenstandards in Mikrosekunden, da nur Metadaten aktualisiert werden, ohne die Tabelle neu aufzubauen. Seit MariaDB 11.2 laufen nicht-sofortige Schema-Änderungen standardmäßig nicht-blockierend, sodass gleichzeitige Lese- und Schreibzugriffe während des Vorgangs möglich sind.[39]

Replikation und Hochverfügbarkeit

MariaDB unterstützt Primary-Replica-Replikation über ein Binary Log, wahlweise asynchron oder halbsynchron. Multi-Source-Replikation ermöglicht es einem Replikat, Änderungen von mehreren Primary-Servern gleichzeitig zu empfangen; parallele Replikation reduziert den Replikationsrückstand durch gleichzeitige Anwendung von Änderungen.

Galera Cluster ist eine synchrone Multi-Master-Replikationslösung, die direkt in den MariaDB-Server integriert ist. Sie ermöglicht Schreibzugriffe auf beliebige Knoten des Clusters bei gleichzeitiger Konsistenz über alle Knoten hinweg.[40][41] Bis Version 10.0 war die Galera-Unterstützung als separate Binärversion erhältlich; seit MariaDB Server 10.1 ist sie fest integriert.[42]

Analytik

MariaDB unterstützt analytische Workloads durch ColumnStore, eine spaltenorientierte Speicher-Engine, die Daten spaltenweise statt zeilenweise ablegt. Dies reduziert den I/O-Aufwand bei Aggregationsabfragen und macht ColumnStore geeignet für Data-Warehouse- und Business-Intelligence-Anwendungen.[43] ColumnStore kann gemeinsam mit relationalen Engines eingesetzt werden, sodass transaktionale und analytische Speicherung in einer Datenbank kombiniert werden können.

Analytische SQL-Funktionen wie Fensterfunktionen und Common Table Expressions stehen über alle Speicher-Engines hinweg zur Verfügung. Die MariaDB-Enterprise-Edition von MariaDB plc kann zudem Exasol zur Beschleunigung analytischer Abfragen einsetzen.[44]

Sicherheit

MariaDB unterstützt rollenbasierte Zugriffskontrolle (RBAC), bei der Berechtigungen in benannten Rollen zusammengefasst und an Benutzer vergeben werden können, was die Rechteverwaltung in großen Deployments vereinfacht.[45]

Die Authentifizierung erfolgt über eine Plugin-Architektur, die mehrere Methoden unterstützt: mysql_native_password, ED25519 mittels elliptischer Kurven-Kryptografie[46] sowie PARSEC (Password Authentication using Response Signed with Elliptic Curve), eingeführt in MariaDB 11.6. MariaDB unterstützt zudem Tabellenverschlüsselung und die Integration mit HashiCorp Vault zur Schlüsselverwaltung.[47]

Konnektivität

MariaDB stellt offizielle Konnektoren für C, C++, Java, Python, Node.js, ODBC und R2DBC bereit, lizenziert unter der LGPL, was die Nutzung in kommerziellen Anwendungen ohne Copyleft-Anforderungen ermöglicht.[48] MariaDB verwendet das MySQL-Client-Server-Protokoll und gewährleistet damit Wire-Level-Kompatibilität mit MySQL-Client-Bibliotheken. MariaDB-Server können auch mit MySQL Workbench gewartet und administriert werden.[49]

KI und Vektorsuche

MariaDB 11.7 führte einen nativen VECTOR-Datentyp mit HNSW-Indexierung für die Nächste-Nachbar-Suche ein, der Vektor-Datenbank-Workloads einschließlich Retrieval Augmented Generation (RAG) ohne zusätzliche Erweiterung ermöglicht.[50] Die Implementierung nutzt SIMD-Hardwarebeschleunigung (AVX2 und AVX512 auf x86; NEON auf ARM) und wurde mit dem LTS-Release MariaDB 11.8 im Mai 2025 allgemein verfügbar.[51] MariaDB Vector ist in die wichtigsten KI-Anwendungs-Frameworks integriert, darunter LangChain, LlamaIndex, Spring AI und LangChain4j.[52] MySQL Community Edition unterstützt den VECTOR-Datentyp seit MySQL 9.0, jedoch keine Vektorsuch-Indizes.

Lizenzierung

Die MariaDB Foundation erwähnt, ins Deutsche übersetzt:[53]

MariaDB Server bleibt freie und Open-Source-Software, lizenziert unter GPLv2, unabhängig von kommerziellen Einheiten.

Versionsgeschichte

Ab Version 10.7 gibt es ein neues Schema für Veröffentlichungen. Für Long Term Support (LTS)-Versionen garantiert die Maria DB Foundation mindestens fünf Jahre Updates.[54] Neue LTS-Versionen erscheinen ungefähr alle zwei Jahre. Nicht-LTS-Versionen (short term maintenance release) werden quartalsweise veröffentlicht und bekommen jeweils ein Jahr Updates.

Das unten angeführte Erscheinungsdatum gibt dabei den Zeitpunkt des ersten Erscheinens wieder und nicht den der allgemeinen Verfügbarkeit (General Availability, GA), welcher einige Wochen oder Monate später lag. Da die Version 5.5 in vielen Linux-Distributionen enthalten ist, deren Wartungsende auf eine Zeit nach 2017 fällt, wurde der Unterstützungszeitraum dieser Version von der MariaDB Foundation um drei Jahre verlängert.[54] Der Versionssprung von 5.5 auf 10.0 soll dem Umstand Rechnung tragen, dass sich MariaDB ab der Version 10 funktional weiter von MySQL entfernen wird.[55]

Version Erschienen am Unterstützung bis[54] Letzte Version Beschreibung / Anmerkung Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.1 29. Okt. 2009 1. Feb. 2015 5.1.67[56] Initiale Abspaltung Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.2 10. Apr. 2010 10. Nov. 2015 5.2.14[57] SphinxSE als Volltextsuchmaschine; Authentifizierung via Plugin[58] Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.3 26. Juli 2011 1. März 2017 5.3.12[59] Unterabfragen; GIS-Abfrageoperationen[60] Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.5 25. Feb. 2012 11. Apr. 2020 5.5.68[61] Verbessertes Thread-Pooling; schnellere Heap-Tabellen[62] Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 10.0 12. Nov. 2012 31. März 2019 10.0.38[63] Multisource-Replikation; Cassandra als NoSQL-Engine verfügbar[64] Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 10.1 30. Juni 2014 17. Okt. 2020 10.1.48[65] Tabellen-, Tablespace- und Log-Verschlüsselung; Page Compression für InnoDB, XtraDB und FusionIO[66] Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 10.2 18. Apr. 2016 23. Mai 2022 10.2.44[67] Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 10.3 16. Apr. 2017 25. Mai 2023 10.3.39[68] LTS-Version;[54] Versionierbare Tabellen; DBMS-unabhängige Spaltenkompression[69] Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 10.4 9. Nov. 2018 18. Juni 2024 10.4.34[70] LTS-Version;[54] Automatische DoS- und Password-Cracking-Erkennung; Spaltenorientierung[71] Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 10.5 4. Dez. 2019 24. Juni 2025 10.5.29 LTS-Version Ältere Version; noch unterstützt: 10.6 26. Apr. 2021 6. Juli 2026 10.6.27 LTS-Version[54] Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 10.7 17. Sep. 2021 9. Feb. 2023 10.7.8[68] Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 10.8 22. Dez. 2021 20. Mai 2023 10.8.8[68] Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 10.9 23. März 2022 22. Aug. 2023 10.9.8[70] Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 10.10 23. Juni 2022 17. Nov. 2023 10.10.7[72] Ältere Version; noch unterstützt: 10.11 26. Sep. 2022 16. Feb. 2028 10.11.18 LTS-Version Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 11.0 27. Dez. 2022 6. Juni 2024 11.0.6[70] Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 11.1 27. März 2023 21. Aug. 2024 11.1.6 Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 11.2 20. Juni 2023 21. Nov. 2024 11.2.6 Ältere Version; noch unterstützt: 11.4 24. Dez. 2023 Mai 2029 11.4.12 LTS-Version Ältere Version; noch unterstützt: 11.8 4. Juni 2025 4. Juni 2028 11.8.8 LTS-Version Aktuelle Version: 12.3 29. Mai 2026 29. Mai 2029 12.3.2 LTS-Version Zukünftige Version: 13 Rolling — 13.0.1 Rolling Release
Legende:
Ältere Version; nicht mehr unterstützt
Ältere Version; noch unterstützt
Aktuelle Version
Aktuelle Vorabversion
Zukünftige Version

MariaDB-Foundation

Die MariaDB Foundation ist eine gemeinnützige Organisation, die im Dezember 2012 gegründet wurde, um die Open-Source-Entwicklung von MariaDB Server unabhängig von kommerziellen Interessen zu überwachen und zu schützen.[73][74][75] Die Stiftung ist im US-Bundesstaat Delaware eingetragen und wird durch Unternehmens- und Einzelsponsoren finanziert; MariaDB plc ist der größte Code-Beitragende.[76] Im Jahr 2025 unterzeichnete die Stiftung ein Memorandum of Understanding mit MariaDB plc, in dem diese offiziell als primärer Code-Beitragender für 2022–2024 anerkannt wurde.[77] Seit Februar 2025 ist Anna Widenius CEO der MariaDB Foundation.[78] Kaj Arnö, der das Amt von Februar 2019 bis Februar 2025 innehatte, ist seitdem Vorstandsvorsitzender (Executive Chairman) der Stiftung.[79] Die Stiftung beschreibt ihre Mission wie folgt:[80]

Die Eckpfeiler der Mission der MariaDB Foundation sind Offenheit, Akzeptanz und Kontinuität.

  • Wir stellen sicher, dass die Codebasis des MariaDB-Servers für die Nutzung und Beiträge zu technischen Vorzügen offen bleibt.
  • Wir bemühen uns, die Akzeptanz durch Benutzer und über Anwendungsfälle, Plattformen und Bereitstellungsmittel hinweg zu erhöhen.
  • Wir bieten Kontinuität für das MariaDB Server-Ökosystem, unabhängig von kommerziellen Einheiten.

Geschichte der MariaDB Foundation

Simon Phipps wurde im April 2013 erster CEO der Stiftung, trat jedoch 2014 zurück, nachdem die MariaDB-Marke auf SkySQL (später in MariaDB Corporation Ab umbenannt) übertragen worden war. Er erklärte später: „Ich trat zurück, sobald klar war, dass das Unternehmen keine unabhängige Stiftung zulassen würde."[81]

Als Nachfolger amtierten Otto Kekäläinen (Januar 2015 bis September 2018),[82] kurz Arjen Lentz (Oktober bis Dezember 2018)[83][84] und ab 1. Februar 2019 Kaj Arnö.[85]

Im Oktober 2020 begann die Stiftung, ihre Vorstandssitzungsprotokolle standardmäßig öffentlich zu veröffentlichen.[86] Im Dezember 2021 lehnte der Vorstand die Einführung einer Diamond-Sponsorenebene ab, die der MariaDB Corporation das Recht gegeben hätte, andere Sponsoren zu blockieren – ein Bekenntnis zur Unabhängigkeit der Stiftung von ihrem wichtigsten kommerziellen Unterstützer.[87]

Im November 2023 formalisierte der Vorstand Schutzmaßnahmen, darunter die Begrenzung auf einen direkten Vorstandssitz pro Unternehmen und die Anforderung einer qualifizierten Mehrheit für Änderungen an der Mission der Stiftung.[88]

Zweck und Aktivitäten

Die Mitarbeiter der Stiftung tragen zu MariaDB Server durch Feature-Design, Code-Review, Dokumentation sowie Portierung und Paketierung auf verschiedenen Plattformen bei und unterstützen neue Projektbeitragende. Die Stiftung fördert MariaDB auf Konferenzen und durch Community-Engagement.[89][90]

Die Stiftung veröffentlicht Vorstandssitzungsprotokolle und Finanzberichte. Technische Entscheidungen werden von Beitragenden durch offene Mailinglisten-Diskussionen getroffen, während der Vorstand für die organisatorische Strategie zuständig ist.[91]

Das MariaDB Server Fest ist eine wiederkehrende, entwicklerorientierte Veranstaltungsreihe, die in mehreren Städten in Europa, Asien und Amerika stattfindet, manchmal gemeinsam mit großen Open-Source-Events wie dem FOSDEM in Brüssel, Belgien.[92]

Namhafte Sponsoren der MariaDB Foundation

Die Diamond-Sponsoren der MariaDB Foundation sind Amazon und DBS Bank; Platinum-Sponsoren sind IBM, Intel und MariaDB plc. Zu den mehr als 30 Gold-Sponsoren gehören unter anderem Hetzner, IONOS, Automattic und Nextcloud. Auch das Schaffhausen Institute of Technology gehört zu den Sponsoren der Stiftung.[93]

Die Stiftung arbeitet auch mit Technologiepartnern zusammen, z. B. beauftragte Google 2013 einen seiner Ingenieure, bei der MariaDB Foundation zu arbeiten.[93][94] Amazon hat sich zu einem der größten Code-beitragenden Unternehmen außerhalb von MariaDB plc entwickelt, darunter Beiträge zur Vektorsuchfunktion MariaDB Vector.[95]

MariaDB plc

MariaDB plc (ehemals MariaDB Corporation Ab) ist ein Datenbanksoftwareunternehmen und der größte Beitragende zum MariaDB-Datenbankserver. Das Unternehmen entwickelt die MariaDB Enterprise Platform, Datenbankconnectors und MariaDB Cloud, einen Cloud-Datenbankdienst. Seit September 2024 ist das Unternehmen im Privatbesitz des Private-Equity-Unternehmens K1 Investment Management.[96]

Geschichte von MariaDB plc

Gründung und Fusionen (2010–2014)

Das Unternehmen wurde 2010 als SkySQL Corporation Ab von Patrik Backman, Ralf Wahlsten, Kaj Arnö, Max Mether, Ulf Sandberg, Mick Carney und Michael „Monty" Widenius gegründet.[97] Am 23. April 2013 fusionierte es mit Monty Program Ab. Am 1. Oktober 2014 wurde das kombinierte Unternehmen in MariaDB Corporation Ab umbenannt, um seine Rolle als treibende Kraft hinter der Entwicklung von MariaDB Server widerzuspiegeln.[98]

MariaDB Corporation erhielt insgesamt rund 123 Millionen US-Dollar in den Finanzierungsrunden der A-, B- und C-Serie. Zu den Investoren der A-Serie (2012) gehörten OpenOcean und die Finnische Industrieinvestition (Tesi).[99] Die B-Serie wurde 2013 von Intel mit einem Investment von 20 Millionen US-Dollar angeführt.[100] Im Januar 2016 übernahm Michael Howard den Vorstandsvorsitz, während Monty Widenius als CTO weiter tätig blieb.[101] Die C-Serie wurde 2017 von Alibaba mit einem Investment von 27 Millionen US-Dollar angeführt; hinzu kam ein Kredit der Europäischen Investitionsbank von rund 25 Millionen Euro.[102][103][104]

Im März 2020 startete MariaDB Corporation SkySQL, einen Database-as-a-Service (DBaaS) auf Basis der MariaDB Enterprise Platform, gehostet auf Google Cloud Platform.[105]

Börsennotierung und Umstrukturierung (2022–2024)

Im Februar 2022 kündigte das Unternehmen an, über eine Fusion mit einer Zweckgesellschaft (SPAC) an der New York Stock Exchange (NYSE) börsennotiert zu werden. Im Dezember 2022 wurde die Notierung unter dem Tickersymbol MRDB vollzogen und das Unternehmen in MariaDB plc umbenannt; gleichzeitig lief eine D-Serienfinanzierungsrunde mit einem Zielvolumen von 104 Millionen US-Dollar.[106] Der Aktienkurs fiel in den folgenden Jahren stark.[107] Im Oktober 2023 restrukturierte das Unternehmen, stellte den SkySQL-Cloud-Datenbankdienst ein und entließ Mitarbeiter.[108] Im Dezember 2023 wurde SkySQL als eigenständiges Unternehmen ausgegliedert.[109]

K1-Eigentümerschaft (2024–heute)

Im September 2024 schloss K1 Investment Management ein Übernahmeangebot für alle ausstehenden Aktien für rund 37 Millionen US-Dollar ab und nahm das Unternehmen von der Börse; Rohit de Souza wurde als CEO ernannt.[110] Das neue Management arbeitete in der Folge daran, die Beziehung zur Open-Source-Community, einschließlich der MariaDB Foundation, wieder aufzubauen.[111]

Akquisitionen von MariaDB plc

  • März 2018 – MammothDB, ein bulgarisches Analyse-Datenbankunternehmen, dessen Technologie in das MariaDB-AX-Analyseangebot integriert wurde.[112]
  • September 2018 – Clustrix, ein Unternehmen für verteilte Datenbanken, dessen Technologie zu MariaDB Xpand wurde, einer verteilten SQL-Storage-Engine für horizontale Skalierbarkeit.[113][114]
  • Mai 2025 – Codership Oy, das finnische Unternehmen hinter Galera Cluster, der synchronen Multi-Master-Replikationstechnologie im MariaDB-Server. Die Übernahme brachte das Galera-Entwicklungsteam unter das Dach von MariaDB plc.[115][116]
  • August 2025 – SkySQL, der ursprünglich im Dezember 2023 von MariaDB ausgegliederte Cloud-Datenbankdienst, wurde zurückerworben, um das verwaltete Cloud-Angebot wieder unter einem Anbieter zu vereinen.[117]
  • März 2026 – GridGain, der ursprüngliche Entwickler von Apache Ignite und Anbieter einer In-Memory-Computing-Plattform, übernommen, um Sub-Millisekunden-Datenzugriff für KI- und Echtzeit-Analyseworkloads zu ermöglichen.[118]

Produkte von MariaDB plc

MariaDB plc trägt zur Entwicklung von MariaDB Server bei und entwickelt die MariaDB-Datenbankconnectors (C, C++, Java, Node.js, ODBC, Python, R2DBC) unter der LGPL, was deren Einsatz in kommerziellen Anwendungen ohne die Copyleft-Anforderungen der GPL-Connectors von MySQL ermöglicht.[119] Das Unternehmen bietet zudem kommerziellen Support, Beratung und Fernverwaltung von MariaDB-Datenbanken an, wobei auch zahlreiche Kerningenieure des Datenbankprojekts im Kundendienst tätig sind.[120]

Zur Enterprise Platform von MariaDB plc gehören unter anderem folgende Produkte (Stand Juni 2026):[121]

  • MariaDB Enterprise Server – eine erweiterte Version des Community-Servers mit Unterstützung für transaktionale, analytische und Vektor-Workloads.
  • MariaDB MaxScale – ein Datenbank-Proxy für Hochverfügbarkeit, Skalierbarkeit und Sicherheit, ausgezeichnet mit dem MySQL Community Award „Application of the Year 2016".[122][123]
  • MariaDB Enterprise Cluster – eine Active-Active-Replikationslösung für Hochverfügbarkeit und automatisches Failover auf Basis von Galera Cluster.
  • MariaDB Enterprise Kubernetes Operator – automatisiert die Verwaltung von MariaDB-Deployments in Kubernetes-Umgebungen.
  • MariaDB Enterprise Manager – ein Monitoring- und Verwaltungswerkzeug mit zentralisierten Topologieansichten und Metrik-Exporten.
  • MariaDB Exa – eine Integration mit einer spaltenorientierten MPP-Analyseengine für hochperformante Analysen auf Live-Transaktionsdaten.
  • MariaDB AI RAG – ein Retrieval-Augmented-Generation-Dienst, der KI-generierte Antworten auf Basis eigener Daten ermöglicht.
  • MariaDB MCP Server – verbindet MariaDB-Datenbanken über das Model Context Protocol mit generativen KI-Werkzeugen für semantische Suche und Datenbankoperationen.
  • In-Memory Cache, powered by GridGain – eine In-Memory-Computing-Schicht auf Basis von Apache Ignite für Datenzugriff mit Sub-Millisekunden-Latenz.
  • MariaDB Cloud – ein vollständig verwalteter Datenbankdienst mit bereitgestellten und serverlosen Deployment-Optionen.

Bekannte Nutzer

Prominente Nutzer

Seit Ende 2012 haben einige Linux-Distributionen MySQL durch MariaDB als Standard-Installation ersetzt, dazu gehören Fedora, CentOS, openSUSE, Slackware und Arch Linux.[130] Die Wikimedia Foundation, die unter anderem auch die Server für die Wikipedia bereitstellt, hat ihre Produktivsysteme im April 2013 auf MariaDB umgestellt.[131] Damit hat sich eine der weltweit größten Web-Plattformen von MySQL verabschiedet.[132]

Zu den Anwendern von MariaDB gehören:

Weblinks

Commons: MariaDB – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. MariaDB 5.1.38 Release Notes. (abgerufen am 17. Mai 2016).
  2. MariaDB Server 12.3 LTS Released. 28. Mai 2026 (abgerufen am 28. Mai 2026).
  3. a b mariadb.org.
  4. mariadb.com.
  5. mariadb.com.
  6. The mariadb Open Source Project on Open Hub: Languages Page. (englisch, abgerufen am 25. Juli 2018).
  7. The mariadb Open Source Project on Open Hub: Languages Page. In: Open Hub. (englisch, abgerufen am 24. Juli 2018).
  8. mariadb.com.
  9. mariadb.com.
  10. mariadb.com.
  11. Why is the project called MariaDB? In: MariaDB KnowledgeBase. Archiviert vom Original am 16. September 2020; abgerufen am 17. September 2014.
  12. Kaj Arnö: The Story of our Sea Lion. In: MariaDB.org. 8. Februar 2019, abgerufen am 18. Februar 2025.
  13. Dead database walking: MySQL's creator on why the future belongs to MariaDB. In: Computerworld. Archiviert vom Original am 3. Oktober 2020; abgerufen am 11. September 2013.
  14. Michael Widenius: Celebrating 15 years of MariaDB. In: Monty Says. 31. Oktober 2024, abgerufen am 6. Juni 2026 (englisch).
  15. MySQL founders launch MariaDB Foundation at Oracle. In: The Register. 5. Dezember 2012, abgerufen am 8. Juni 2026 (englisch).
  16. Wikipedia Adopts MariaDB. Wikimedia Foundation, 22. April 2013, archiviert vom Original am 26. Dezember 2018; abgerufen am 23. April 2013 (englisch).
  17. Jack Clark: Google swaps out MySQL, moves to MariaDB. In: The Register. 12. September 2013, abgerufen am 20. Juli 2017 (englisch).
  18. openSUSE 12.3 released with MariaDB as default. MariaDB Foundation, 15. März 2013, abgerufen am 8. Juni 2026 (englisch).
  19. Rasmus Johansson: Explanation on MariaDB 10.0. MariaDB.org, 13. August 2012, archiviert vom Original am 29. Mai 2016; abgerufen am 1. November 2023 (englisch).
  20. MariaDB Server 10.6 reaches End of Life on July 6th. In: MariaDB.org. Abgerufen am 23. Juni 2026 (englisch).
  21. Kaj Arnö: MariaDB 11.8 is LTS. In: MariaDB.org. 12. Februar 2025, abgerufen am 5. April 2025 (englisch).
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